„Ein Sonnenstrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen.“ Mit dieser schlichten Erkenntnis bringt der Heilige Franz von Assisi (1182 – 1226) eine archaische Erfahrung auf den Punkt: Die Sonne ist Lebenselixier für Mensch und Natur, sie ermöglicht überhaupt erst, dass es Leben gibt, sie gliedert unseren Tagesablauf, erfreut uns, erleuchtet das Dunkel und sie spendet uns täglich Wärme, sogar wenn sie gar nicht direkt zu sehen ist.

Beim genauen Hinschauen erklärt sich auch, warum das so ist und wo Licht und Wärme herrühren: Die Sonne ist ein Stern mit einem Durchmesser von 1,4 Millionen km, womit sie übrigens über hundertmal größer als unsere Erde ist. Sie leuchtet uns aus dem äußeren Drittel der Milchstraße zu. Als Zentrum des Sonnensystems, dominiert sie dieses durch ihre Gravitationskraft. Außen ist die Sonne 6000 °C heiß, sende thermomagnetische Strahlung aus und erschafft damit die „Power“, die für die Entstehung und Entwicklung des Lebens notwendig ist. An ihrer Oberfläche zeigt sich eine immer wieder schwankende Anzahl von Sonnenflecken, die in Häufigkeit und Ausprägung durch Magnetfelder bestimmt werden.

Immer im Zentrum

Weil der Mensch schon seit jeher die unschätzbare Bedeutung der Sonne und seine Abhängigkeit von ihr spürte, zeigen sich unterschiedliche Formen von Sonnenverehrung und von Sonnenkulten in der allerfrühesten Menschheitsgeschichte. Besonders die Ägypter zentrierten ihre gesamte Religion auf die Sonne, denn sie wurde im alten Ägypten lange als oberste Gottheit verehrt. Man sah in ihr das rechte Auge des Himmelsherrn Horus. Andererseits stellte man sich vor, dass die Sonne am Morgen als Kind geboren wurde, wo sie den Namen Chepre trug, dass sie am Mittag „im besten Mannesalter“ war und unter dem Namen Re verehrt wurde. Am Abend starb sie dann als Greis, den die Ägypter dann Atum nannten.

Die Schönheit herrscht!

Nach Ansicht einiger Forscher stellt die starke Verehrung der der Sonne bei den Ägyptern möglicherweise den Ursprung des Monotheismus, denn in der 18. Dynastie gab es für kurze Zeit einen durch Pharao Amenophis IV. eingeführten Aton-Kult. Dabei war die Sonnenscheibe das Symbol des schönen Sonnengottes Aton, der alle anderen ägyptischen Gottheiten verdrängte und über alles herrschte. Hier herrschte also die Schönheit!

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Die Sonne als Streitpunkt

Auch die Kelten oder die Griechen verehrten die Sonne auf unterschiedliche Weise – dabei war sie egal in welcher Kultur eine zentrale Gottheit, die besondere Aufmerksamkeit und besondere Opfer forderte. Auch wenn es „wissenschaftlichen Streit“ über die Stellung der Sonne im Planetensystem gab, bei dem sich – sehr vorsichtig formuliert – die Lehrmeinung der Kirche erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts an die Realität der Forschung anpasste, war die Sonne real und gefühlt immer im Zentrum des Planetensystems.

Die Schönheit der Sonne in der Kunst

Ob in Musik, Kunst oder anderen kulturellen Ausdrucksformen von damals bis heute: Die Sonne nimmt wie auch als Stern am Himmel also eine zentrale Stellung ein. Besonders schön bringt dies wie gewohnt Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) im „Faust“ zum Ausdruck, wo er der Sonne eine eigene Passage beim „Prolog im Himmel“ schenkt:

Die Sonne im Faust I

Prolog im Himmel

„Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.

Und schnell und unbegreiflich schnelle
Dreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt Paradieseshelle
Mit tiefer, schauervoller Nacht;

Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
Am tiefen Grund der Felsen auf,
Und Fels und Meer wird fortgerissen
In ewig-schnellem Sphärenlauf

Und Stürme brausen um die Wette
Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,
und bilden wütend eine Kette
Der tiefsten Wirkung ringsumher.

Da flammt ein blitzendes Verheeren
dem Pfade vor des Donnerschlags;
Doch deine Boten, Herr, verehren
Das sanfte Wandeln deines Tags.

Der Anblick gibt den Engeln Stärke,
Da keiner dich ergründen mag,
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.“

 

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