Viele wollten sicher extra für die Sommermonate abnehmen und dabei ihren „Body Maß Index“ (kurz BMI) reduzieren. Falls bei Euch nun aber auch die Waage trotz guter Vorsätze wieder deutlich nach oben zeigt, müsst Ihr nicht verzweifeln: denn es gibt immer Anlässe, um Euer Diät- und Work-Out-Programm wieder aufzunehmen. Oder Ihr bleibt einfach gleich ganz gelassen und haltet Euch zu Gute, mit dem einen oder anderen überzähligen Pfund, beziehungsweise mit manchen Röllchen auf den Rippen, immerhin in prominenter Gesellschaft zu sein. Von dieser guten Gesellschaft berichten wir Euch heute mit Augenzwinkern!

Denn üppige Formen, also ein möglichst großer BMI, haben lange Tradition im ästhetischen Empfinden und vor allem in der gesellschaftlichen Ordnung vieler Epochen und Kulturen. Im alten Ägypten, auch in Indien, galt ein dicker Bauch als Zeichen von Reichtum und Weisheit. Auch besondere Potenz oder himmlische Gnade wurden mit ordentlicher Leibesfülle in Verbindung gebracht.

Königliche Fülle

Wohlstand, Erfahrung und Macht verhießen die überbordenden Pfunde auch in folgenden Jahrhunderten, ja wurden gar zum BMI Markenzeichen manches Herrschers. Heinrich VIII. Tudor etwa entwickelte sich im letzten Lebens-Drittel zum regelrechten Koloss – und ließ sich von Malern und Bildhauern durchaus so abbilden. Zwar hat es der wenig zimperliche Potentat mit den sinnlichen Genüssen eindeutig übertrieben – er starb vermutlich an einer unerkannten Zuckerkrankheit –, doch tat er sich bis dahin als entschlossener Kirchenstifter sowie als „gewichtiger“ Politiker hervor, der den Aufstieg Englands zur Weltmacht vorbereitete. Ludwig II. von Bayern verkörperte auch in eigener Gestalt die Opulenz der von ihm so sehr geliebten Wagner-Opern.

Nicht nur Rubens mochte es hübsch rund…

Beleibte Damen waren vor allem in der Renaissance und im Barock begehrt. In Generationen, die von Pest, vom Dreißigjährigen Krieg und hoher Kindersterblichkeit gebeutelt waren, galt rosige Körperfülle als gesund, attraktiv und sexy. Besonders Hüften und Po schätzte man(n) damals eher eine Spur zu ausladend als zu zierlich, wie sich auf vielen Rubens-Gemälden nicht nur ahnen lässt.

Hübsche Rundungen in der Antike

Schon in Darstellungen der Antike ist dokumentiert, dass besonders die weibliche Hüft-Region gern wogend und rundlich modelliert wurde, während die Männer sich damals eher am Schönheitsideal des jugendlichen Athleten abarbeiten mussten. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich in Mitteleuropa das Schönheitsideal von Schlankheit und zierlichen Formen durch. Mit üppiger Körperfülle assoziierte man zunehmend auch charakterliche Eigenschaften wie etwa Gelassenheit, Gemütlichkeit oder Humor. Nicht umsonst gehört zum schmalen, ungeschickten Laurel der 1920-er-Jahre auch der lustige und – ganz recht – dicke Hardy.

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BodyMassIndex und Schönheitsempfinden

Übrigens sollen ein paar (moderate) Pfunde zu viel gar nicht wirklich ungesund sein. Als vor wenigen Jahren eine amerikanische Wissenschaftlerin der dortigen Seuchenbehörde CDC die Sterblichkeit der Bevölkerung in Bezug auf den Body-Mass-Index (BMI) untersuchte, stellte sich heraus, dass Menschen mit leichtem Übergewicht am längsten leben. Allerdings, darauf weisen Kritiker der Studie hin, dürfe man den BMI nicht isoliert von Blutzucker, Blutfetten und Blutdruck betrachten. Zwar scheint das Rundliche, Pummelige als Schönheits-Ideal derzeit passé zu sein; allerdings nur, wenn es nach dem optischen Eindruck geht, nicht aber nach dem haptischen.

Der hübsche Kugelbauch

Unvergessen folgendes tröstliche Zitat der niedlichen „Fabienne“ aus Tarantinos „Pulp Fiction“, die vor dem Spiegel steht und sich einen „hübschen Kugelbauch“ wünscht: „Es ist ein Unglück, dass das, was wir gerne anfassen und das, was wir gerne sehen, selten dasselbe ist.“

 

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